Exxon wurde in die Knie gezwungen
Die Erfolgsgeschichte einer Allianz von Indianern und Nicht-Indianern


Von Zoltan Grossman, Midwest Treaty Network

Im Jahr 1975 entdeckte der Exxon-Konzern im Landkreis Forest County im Norden des US - Bundesstaates Wisconsin ein Zink-Kupfer-Vorkommen und wollte es ausbeuten. Sein Vorhaben ist am Widerstand einer beispiellosen Allianz zwischen den indianischen Nationen und der nicht-indianischen Bevölkerung der Gegend gescheitert.

Bergwerk in Ladysmith undicht

In einem stillgelegten Bergwerk strömt Säure aus. metalslkerung bis heute nicht. Der Standort des geplanten Bergbauprojekts {"Crandon Mine") liegt wenige Kilometer von der Mole-Lake-Chippewa Reservation, vom Wolf River, der das Reservat der Menominee-Nation durchstr�mt, und von der Reservation der Potawatomis entfernt. Die Indianer sind auf saubere Gewässer angewiesen, denn Fischfang und Wildreis sind eine wesentliche Voraussetzung ihrer Ernährung und Kultur. Aber auch f�r die nicht-indianische Bevölkerung ist diese fast ungestörte Naturlandschaft eine wichtige Erwerbsgrundlage, da sie viele Sportangler, Kanuten und andere Wassersportler anlockt. Durch das geplante Bergwerk und seinen Abraum droht nun die Verseuchung der Gewässer. (s. siehe Kasten).

Zwischen 1986 und 1992 ließ Exxon aufgrund sinkender Weltmarktpreise f�r Kupfer und Zink das Projekt vor�bergehend ruhen. Es waren aber in dieser Zeit mehrere andere Bergbauprojekte in Wisconsin im Gange, was zur Bildung einer Widerstandsbewegung aus Umweltschutzgruppen führte, in der sich Indianer und Nicht-Indianer vereinten. Sie gründeten 1989 das Midwest Treaty Network (MTN), um die Achtung der indianischen Vertragsrechte in Wisconsin sicherzustellen. Bis 1994 war im ganzen Bundesstaat ein Netzwerk gegen die Bergbauindustrie an der Grenze der USA zu Kanada entstanden, das u.a. eine Initiative für ein Moratorium gegen den Abbau von Erzen einleitete. Im Jahre 1995 gründete MTN das Wolf Watershed Educational Project (WWEP), das sich aus etwa 30 Gruppen der indianischen Nationen, der Umweltschützer und der Sportangler zusammensetzt. Noch 1990 waren die Angler massiv gegen die vertragsrechtlich abgesicherte Speerfischerei der Chippewas vorgegangen (vgl. pogrom 152/1990, S. 57 ff). Seitdem organisiert das WWEP die Öffentlichkeitsarbeit gegen das Crandon-Projekt. Im Jahre 1997 gipfelte diese Arbeit - trotz einer intensiven Gegenkampagne der Bergbaulobby - in der Verabschiedung eines Bergbaumoratoriums im Landtag, das im März 1998 vom Gouverneur Wisconsins, Tommy Thompson, unterzeichnet wurde. Thompson gilt zwar als Befürworter des Bergbaus, wollte aber seine Wiederwahl nicht gefährden. Das Moratorium verbindet die Inbetriebnahme der Crandon Mine mit strengen Auflagen. So müssen die Betreiber ein vergleichbares Bergwerk nachweisen, das mindestens zehn Jahre lang in Betrieb war, seit mindestens zehn Jahren stillgelegt ist und dennoch keine Umweltschäden verursacht hat. Im Januar 1999 wurden sogar drei angebliche Beispiele vorgelegt. Die Bergwerke lagen jedoch in ganz anderen Klimazonen, die weit weniger Grundwasserrisiken bergen, und bei zwei von ihnen waren außerdem die zeitlichen Bedingungen nicht erfüllt. Somit liegt das Projekt noch auf Eis.

Exxon hat sich inzwischen vom Crandon-Vorhaben zurückgezogen. Schwer angeschlagen durch die Havarie der Valdez vor Alaska wollte der Konzern keinen weiteren Imageverlust riskieren. Zuständig ist nun Exxons Partnerfirma Rio Algom aus Toronto/Kanada.

Ausschlaggebend für diesen Erfolg einer kleinen Basisbewegung gegen einen Konzern-riesen war, daß im Norden Wisconsins eine ganz neue Bewegung entstanden ist, der es gelang, ethnische Grenzen zu überwinden. Diese Bewegung ist in der ansässigen Bevölkerung verwurzelt und wird - entgegen den Behauptungen mancher Kritiker - keineswegs von städtischen Intellektuellen gesteuert. Ihr gehören Menschen aus allen Bevölkerungsschichten und Altersgruppen an. Daher gelang es der Bergbaulobby nicht, einzelne Gruppen herauszubrechen und gegeneinander auszuspielen. Anders als bei den Konflikten um die indianische Speerfischerei hielten indianische Nationen und weiße Sportangler nun zusammen, denn letztere begriffen, daß es wohl keine Fische mehr geben werde, um die man sich streiten könne, wenn das Bergwerk in Betrieb gehe. Die nicht-indianischen Gemeinden gaben den indianischen Nationen ebenfalls Rückendeckung, als Gouverneur Thompson ihnen mit der Schließung der Spielkasinos drohte, sollten sie ihren Widerstand nicht aufgegeben, denn die Betriebe geben inzwischen auch vielen Nicht-Indianern Arbeit.

Die Kasinos haben die indianischen Nationen finanziell unabhädngig gemacht. Damit ist die Lage ganz anders als Ende der 80er Jahre, als die Chippewas von Lac Courte Oreilles, ihren Rechtsstreit gegen die Kennecott Corporation mit ihrem Kupferbergwerk in Ladysmith aus Geldmangel einstellen mußten.

Gemeinderäte wurden abgewählt, nachdem sie Absprachen mit Bergbaufirmen getroffen hatten. Eine Gemeinde wählte sogar demonstrativ einen Vertreter der Mole-Lake-Chippewas in den Gemeinderat. Als Exxon in einem Fernsehspot einen Gewerkschaftsführer aus der Gegend aufbot, der sich für den Bergbau aussprach, weil er in Wisconsin eine starke Zulieferindustrie und entsprechend viele Arbeitsplätze versorge, stellten sich andere Gewerkschaftsmitglieder mit Beschlüssen auf die Seite der Bergwerksgegner. Inzwischen wird in internationalen Bergbauzeitschriften vor einer Ansteckungs mit dem "Wisconsin-Anti-Bergbau-Virus" durch das Internet gewarnt. In Wisconsin, Kanada, Australien und Papua Neu Guinea werde sich die Zukunft des Bergbaus entscheiden, heißt es. Der Ausgang sei noch offen. Rio Algom hat die Crandon Mine zum Gegenstand der Entscheidungsschlacht bestimmt, und will um jeden Preis gewinnen.

Dieser Artikel ist Walter Bresette, Evelyn Churchill, Hilary Waukau, Louis Hawpetoss, Ron Smith, und Evans "Crazy Horse" Smith gewidmet, die in den Jahren des Kampfes um den Wasserschutz in Wisconsin gestorben sind./Vom Autor übersetzt und von Yvonne Bangert bearbeitet. Die englische Originalfassung und weitere Informationen sind auf der Homepage des Wolf Watershed Educational Project (http://treaty.undigenousnative.org) zu finden. Postanschrift: c/o Midwest Treaty Network, P.O. Box 14382 Madison WI 53714-4382, USA; Tel/Fax: 001-608-246-2256; E-Mail: mtn@igc.org.


Umweltschaeden zu befuerchten

Bei der Gewinnung von Zink und Kupfer aus dem Gestein werden giftige Schwermetälle wie Quecksilber, Blei, Arsen und Kadmium frei, durch den Kontakt mit Luft und Wasser auch Schwefelsäure. Der Abraum der Crandon Mine wird auf 44 Millionen Tonnen Festabfälle veranschlagt, die je zur Hälfte auf einer Halde und im Minenschacht entsorgt werden sollen. Um den Schacht trocken zu halten, müßten täglich bis zu 1.200 Gallonen (ca. 5.400 Liter) Wasser abgepumpt und in Rückhaltebecken für Flüssigabfälle gelagert werden. Die Wahrscheinlichkeit, daß es dabei zu Dammbrüchen kommt, ist groß. Experten rechnen daher mit einer erheblichen Grundwasserverseuchung, sollte das Bergwerk tatsächlich in Betrieb gehen. Unmittelbare Anwohner des Projektgebietes sind die Mole-Lake-Chippewas, die Menominees und die Forest-County-Potawatomis. Ebenfalls betroffen wären die Stockbridge-Munsees, die etwa 40 km entfernt leben. Sie berufen sich in ihrem Widerstand gegen das Bergbauprojekt auf ihre Vertragsrechte, die ihnen die künftige Nutzung auch desjenigen Landes, das sie bei Vertragsschließung abgetreten haben, für den Fischfang, die Jagd und die Ernte von Wildreis garantieren. Sollte dies durch die schädlichen Umwelteinflüsse eines Minenbetriebs unmöglich werden, wäre das ein Vertragsbruch. Insbesondere der Wildreis ist für die Chippewas und Menominees von großer Bedeutung. Die Pflanzen wörden durch Grundwasserabsenkung und -verseuchung zerst&ouuml;rt werden. Eine Umweltstudie (EIS 11/86) hat das Wildreisvorkommen der Mole-Lake-Chippewa ausdrücklich als Kern ihrer Identitüt anerkannt. Auch Jagd und Fischfang sind für die Chippewas bis heute eine wichtige Existenzgrundlage. Beides wäre durch den Lärm des Bergbaubetriebes und die damit einhergehende Umweltverschmutzung gefährdet. Außerdem befinden sich auf einem Gebiet, das ihnen 1855 in einem Vertrag versprochen wurde, heute aber dem Bergbaukonzern gehört, Grabstätten und ein heiliger Gebetsplatz. für die Menominees ist der Wolf River ihre Lebensader. An seiner Wasserscheide leben Adler, Forelle und Stör. Sie und die dortigen Wildreisflächen sind ebenfalls in Gefahr. Auch das Land der Forest-County-Potawatomis wäre akut bedroht, falls der Wind Abraum von der Halde abtragen sollte, denn es liegt nur ca. 7 km in Windrichtung entfernt. Sämtliche Wasserläufe im Umkreis von ca. 24 km2 um das Bergwerksgelände sind auf sauberes Grundwasser angewiesen. Die meisten Flüsse und Bäche münden in den Wolf River.

Nach Informationen des Midwest Treaty Network von Yvonne Bangert

      mit freundlichen Gruessen/Sincerely Yours
          Yvonne Bangert



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Zink-Kupfer-Mine in Wisconsin bedroht die natürlichen Resourcen indigener Völker

Das Mündungsgebiet des Wolf River, im Nordosten von Wisconsin, wird durch eine geplante Zink-Kupfer-Mine (Crandon-Mine) bedroht. Der ursprüngliche Besitzer Exxon (bestens bekannt durch den Tankerunfall vor der Küste von Alaska) verkaufte im Jänner 1998 seine 50% Anteile der Crandon Mining Company (CMC) an Rio Algom, die daraufhin den Namen in Nicolet Minerals Company (NMC) umwandelte. Nach Expertenschätzungen sollen dort in den nächsten 25 Jahren annähernd 55 Mill. Tonnen Erz abgebaut werden. Daraus könnten rund 2 Mill. Tonnen Zink-Kupfer-Erz gewonnen werden.

Zink und Kupfer kommen nicht in reiner Form in der Natur vor, sie sind an andere Mineralien gebunden. Im Falle der Crandon-Mine sind sie an Schwefel gebunden und müssen von diesem in aufwendigen Verfahren getrennt werden. Im Zuge der Verarbeitung wird das Erz sandkornfein vermahlen, mit Wasser gemischt und mit Chemikalien versetzt, um Zink und Kupfer aus dem Gestein zu extrahieren. Aus 1 Tonne Erz lassen sich ungefähr 5kg Kupfer gewinnen. Das �restliche Material" � also rund 995 kg � ist Abfall und soll zum einen Teil unterirdisch (in den ehemaligen Stollen) und zum anderen Teil an der Erdoberfläche endgelagert werden.

Durch den Abbau entsteht eine ganze Reihe hochbrisanter Probleme für die Umwelt:

Bei der Extraktion von Kupfer aus dem Gestein und bei der Endlagerung kommt es durch die Einwirkung von Luft und Wasser zur Bildung von Schwefelsäure, giftigen Schwermetallen wie Blei, Arsen und Kadmium und zur Freisetzung von in diesem Gebiet vermutetem radioaktivem Material. Gegner der Mine befürchten, daß durch das Abpumpen des Wassers aus den Minenschächten der Grundwasserspiegel des umliegenden Gebietes drastisch sinken und in weiterer Folge sogar das Grundwassersystem der Großen Seen beeinträchtigt werden würde. Täglich würden rund 5,5 Mill. Liter Wasser aus der Mine in den Wolf River gepumpt und das über einen geschätzten Zeitraum von 25 Jahren.

Um den Minenabfall zu lagern, soll eine Kunststoffisolierung unter der künftigen Abraumhalde eingebracht werden. Doch selbst ein ehemaliger Direktor der Crandon Mining Company (Vorgänger von NMC), Jerry Goodrich, äußert sich kritisch gegenüber einer solchen Isolierung und meint, daß sich diese nach spätestens 140 Jahren unter dem Abfall aufgelöst haben wird. Das hätte den ungehinderten Austritt der schon genannten toxischen Substanzen zur Folge. Gigantisch ist auch das Ausmaß der geplanten Deponie, nämlich rund 142 ha. Das entspricht etwa der Größe des 6. Wiener Gemeindebezirkes. Es wäre somit die größte Giftmülldeponie in Wisconsins Geschichte.

Aufgrund der Lage der geplanten Mine (Ursprungsbereich des Wolf River) in einer Landschaft mit hoher Niederschlagsmenge und umliegendem Feuchtland meinte sogar ein Exxon Ingenieur: �Man hätte keinen schlechteren Ort für eine Mine finden können!" Im Jahresbericht von 1997 gibt sogar Rio Algom zu, daß gewisse Risiken mit den verschiedenen Minen-Projekten verbunden sind. Der Wolf River wurde sogar auf die Liste der 10 durch Umweltverschmutzung bedrohtesten Flüsse der USA gesetzt. Das U. S. Forest Service hebt hervor, daß sowohl während als auch nach Beendigung von Minentätigkeiten grobe technische Sicherheitsmängel im Raum stehen. Einer Umfrage zufolge sind mehr als 50% der Einwohner Wisconsins gegen die Errichtung der Crandon-Mine.

Auswirkungen der Mine auf indigene Völker dieser Region

In diesem Gebiet sind vier indigene Nationen ansässig: die Potawatomi in unmittelbarer Nähe der südwestlich gelegenen Crandon-Mine; die Mole Lake (Sokaogon) Chippewa westlich der Mine; die Menominee und die Stockbridge-Munsee Indianer ungefähr 40 km südlich der Mine.

Unweigerlich werden die indigenen Kulturen von den möglichen Umweltschäden als erste betroffen, da diese Völker auch heute noch von den natürlichen Resourcen ihrer Umgebung leben und dies weiterhin tun wollen. Die Great Lake Indian Fish and Wildlife Commission (GLIFWC), die im Zuge der Nachverhandlungen um die Verträge von 1836, 1837, 1842 und 1854 zu Beginn der 1990er Jahre eingerichtet worden war, teilt in einem Bericht von 1996 mit: �Die indigenen Völker in den nördlichen Teilen von Wisconsin, Minnesota und Michigan sind ernsthaft durch Schwefelminen in vielfacher Weise bedroht, was nur schwer für die nicht-indigene Bevölkerung zu verstehen ist. Für diese Völker ist die Nutzung ihrer natürlichen Resourcen mehr als nur Nahrungsbeschaffung. Der Fischfang, die Jagd, die Ernte von Wildreis und die Sammlung von Wildkräutern stellt eine kulturelle Aktivität dar."

Primär ist die Gesundheit der dort lebenden Indigenen durch die Aufnahme von industriellen Schadstoffen wie Blei, Quecksilber und anderen Toxinen gefährdet. Fische und Wild akkumulieren diese Substanzen in Muskel- und Fettgewebe und ihren Innereien. Sie stellen so ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar, da viele Indigene durch ihre Subsistenzwirtschaft von diesen Resourcen leben. 86% der Mole Lake Chippewa Familien sind von Jagd und Fischerei abhängig, 90% der Familien stützen sich auf die Ernte von Wildreis und das Sammeln von Kräutern und den Gemüseanbau.

1995 wurde den Mole Lake Chippewa von Seite der Environmental Protection Agency (EPA) ein �Treatment-as-state" - Status zugesichert, um die Wasserqualität mit Hilfe des Gesetzes zur Wasserreinhaltung (Clean Water Act) auf ihrer Reservation zu schützen. Trotz der Klage durch den Staatsanwalt James Doyle gegen EPA und die Mole Lake Chippewa, wurde dieser Status im April 2000 vom Bezirksgericht bestätigt. Diese Entscheidung, den �Treatment-as-state" - Status zu bestätigen, hat weitreichende Konsequenzen. Nicht nur für diese indianische Nation, sondern auch für alle anderen indigenen Nationen in den USA und auch für die umstrittene Crandon-Mine. Durch die Bestätigung ihrer Autorität würde den Mole Lake Chippewa die Möglichkeit zuerkannt, die Nutzung der eigenen Resources selbst zu verwalten. Dies ist ein bedeutender Schritt in Richtung Souveränität indigener Nationen. Für die Crandon-Mine bedeutete dies, den geforderten Vorschriften der Mole Lake Reservation entsprechen zu müssen.

Die Potawatomi versuchen seit einigen Jahren die Luftqualität im Bereich ihres Reservates unter Anwendung des Gesetzes zur Luftreinhaltung (Clean Air Act) zu schützen. Damit versuchen sie, den Luftraum über ihrem Gebiet als Bestandteil ihres Landes zu schützen und eine Verschlechterung der Luftgüte zu verhindern. Da die Bundesregierung den indigenen Völkern gegenüber eine Schutzpflicht innehat, ist sie gezwungen, in Umweltfragen die Interessen der Indianer zu vertreten, in diesem Fall durch die Environmental Protection Agency. Bestehende und geplante Industrieprojekte wären davon nicht beeinflußt, sehr wohl aber die auf dem Luftweg verfrachteten Schadstoffe der Crandon-Mine.

Ein drittes von der geplanten Mine betroffenes Reservat ist das der Menominee, welches flußabwärts liegt. Seit 8000 Jahren lebt dieses Volk im Gebiet um den Wolf River. Der Name Menominee bedeutet �Wildreisvolk" und deutet unmißverständlich auf die Art der Bindung dieser Menschen zu ihrer Umwelt hin. John Teller, ehemaliger Vorsitzender der Menominee, stellt es mit seinen Worten dar: �Der Wolf River ist die Lebensader unseres Volkes und hat für uns zentrale Bedeutung. Wir werden es nicht zulassen, daß dieser Fluß Schaden nimmt."

Auch die Kleinstadt Nashville mit rund 900 Einwohnern, welche sich in unmittelbarer Nähe der Crandon-Mine befindet, ist in den Bewilligungsprozeß verwickelt. Nachdem im September 1998 die neugewählte Stadtverwaltung von Nashville das Abkommen mit Nicolet Minerals aufgelöst hat, verklagte die Minenfirma die Stadtverwaltung. Im Juni 1999 beantwortet die Kleinstadt die Klage von NMC mit einer Gegenklage. Chuck Sleeter, ein Mitglied der Stadtverwaltung, erklärt, daß das Abkommen deshalb aufgelöst worden ist, da es durch geheime Absprachen zwischen der Minenfirma und den ehemaligen Anwälten der Stadtverwaltung zustande gekommen ist, trotz Widerstandes der betroffenen Einwohner. Minenbetreiber in Wisconsin benötigen auch die Zusage von angrenzenden Gemeinden, um die staatliche Bewilligung zum Betrieb der Mine zu erhalten.

Durch langes Verhandeln konnten die indigenen Völker mit Hilfe von einigen Umwelt-schutzgruppen, ansässigen Einwohnern dieser Region und den noch vor einigen Jahren gegen sie eingestellten Fischereivereinen, sowie den Gouverneur von Wisconsin, Tommy Thompson, überzeugen, das Mining Moratorium im April 1998 zu unterzeichnen und es dadurch in den Rang eines Gesetzes zu heben. Dieses Gesetz verlangt von Minenbetreibern, die in Wisconsin eine Mine errichten wollen, den Nachweis einer ähnlichen Mine innerhalb Nordamerikas - gleich welche - , die mindestens 10 Jahre während ihres Betriebes sowie 10 Jahre nach ihrer Stillegung keine Umweltschäden verursacht hat.

Obwohl sich das neue Mining Moratorium Gesetz nur eine Mine als Beispiel verlangt, hat NMC im Jänner 1999 drei Minen genannt, um diese beiden Kriterien zu erfüllen: 1. die Sacaton-Mine in Phoenix, Arizona - seit 15 Jahren geschlossen; 2. die McLaughlin-Mine in San Francisco, Kalifornien - seit 14 Jahren in Betrieb und als 3. Beispiel die Cullaton-Mine in Manitoba, Kanada. �Man habe auch noch eine dritte Mine angegeben, um aufzuzeigen, daß es genügend Beispiele gibt, das neue Gesetz zu erfüllen", sagt ein Pressesprecher von NMC.

Im Fall der Sacaton-Mine, gibt ein Umweltbeamter zu bedenken, gibt es zu wenig Meßwerte zu dieser Mine, um Aussagen darüber machen zu können, ob es zu Umweltschäden gekommen ist oder nicht. Das Beispiel der Cullaton-Mine in Kanada könne nicht verwendet werden, da sich diese Mine über einer Bodenschicht befindet, die ständig gefroren ist (Permafrostboden) und deshalb das Grundwasser vor möglichen Umweltschäden schützt. Im Fall der Crandon-Mine ist dies nicht gegeben. �Was aber besonders bedenklich erscheint ist die Tatsache, daß es NMC nicht gelungen ist, nur eine einzige ihrer eigenen Minen als positives Beispiel anzugeben", meint Al Gedicks vom Wisconsin Resources Protection Council (WRPC). Die Interpretation, wie sie von NMC und Department of Natural Resources (DNR) vertreten wird (auch mehrere Minen können die Forderungen erfüllen), bringt der Minenindustrie Vorteile. Während die ursprüngliche Auslegung des Gesetzestextes den betroffenen Ortsansässigen und den indigenen Nationen bessere Chancen einräumt. Daß das DNR die Interpretation des Gesetzes verändert hat, gesteht sogar George Meyer (Sekretär des DNR) ein. Auf Grund dieser Vorgangsweise legen Umweltgruppen, Parlamentarier, zwei indigene Stammesvertreter sowie fünf betroffene Bürger dem DNR gemeinsam eine Petition vor, in der Durchführungsbestimmungen zum Mining Moratorium Gesetz gefordert werden.

Die wichtigsten Forderungen:

  • nur eine einzige Mine soll als Beispiel genannt werden dürfen;
  • es muß sich eine gleichartige Mine unter gleichen Bedingungen handeln, um vergleichbar zu sein.
  • eindeutige Festlegung von Grenzwerten;
  • Umweltmeßwerte müssen unter Aufsicht von staatlichen Behörden erhoben werden;

Trotz der derzeitigen Auslegung meint George Meyer, sei das Gesetz eindeutig formuliert und das DNR lehnt es ab, Durchführungsbestimmungen hinzuzufügen. �Ergänzende Durchführungsbestimmungen zu verlangen sei durchaus üblich, nachdem ein neues Gesetz geschaffen wurde", erklärt ein Überbringer dieser Petition.

Bringt die Zink/Kupfer Mine wirklich den wirtschaftlichen Wohlstand nach Wisconsin?

Exxon und Rio Algom haben angekündigt, daß dieses Projekt großen wirtschaftlichen Nutzen für diese Region bringen wird, mit keinen negativen Auswirkungen auf die örtliche Wirtschaft. Die Firma prognostiziert 750 Arbeiter zur Errichtung der Mine, ungefähr 400 eigentliche Minenarbeiter und Arbeitsplätze in den Bereichen Transport, Wohnungserrichtung und bei der Nahrungsversorgung zu beschäftigen. Minenbefürworter sehen nur die positiven Auswirkungen auf die betroffenen Bezirke (Forest, Langlade, Oneida), doch die Realität der unsicheren Minenindustrie zeigt das Gegenteil.

Derart rosige Prognosen, wie sie von den Minenbetreibern gezeichnet werden, können anhand anderer Minengemeinden leicht widerlegt werden:

NMC kann nicht mit Sicherheit sagen, daß die örtlichen ansässigen Arbeitskräfte die notwendigen Arbeitskenntnisse für den Minenbetrieb mitbringen. CMC meint, daß dieses Projekt sowohl ansässige als auch auswertige Arbeiter, die dann in dieses Gebiet umsiedeln würden, beschäftigen wird. Einige Untersuchungen zur Arbeitsplatzentwicklung zeigen, daß lediglich 25% der neu geschaffenen Arbeitsplätze an ansässige Bewohner vergeben werden. Der Rest der 400 angekündigten ständigen Arbeitsplätze würden mit zugewanderten Facharbeitern besetzt werden. In diesem Fall nicht erwähnt werden Arbeitskräfte, die zwar in der Mine beschäftigt wären, ihren ständigen Wohnsitz aber nicht verlegen werden. Das hätte zur Folge, daß das verdiente Geld in anderen Gebieten der Wirtschaft zu gute käme und nicht den drei betroffenen Bezirken. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die meisten Arbeitnehmer der Mine nicht auf der Mole Lake Reservation, in den Städten Lincoln und Nashville, WI oder sogar im Bezirk Forest leben. Die Schätzungen von NMC über die Zuwanderung in dieses Gebiet beruhen auf offenen Arbeitsstellen in diesem Wirtschaftsraum. Wie die Erfahrung zeigt, ziehen derartige Minen-Monsterprojekte immer mehr Menschen an, als beschäftigt werden können. Die Folge wäre, wie in fast allen Minengemeinden, eine hohe Arbeitslosigkeit, denn derartig schnellwachsende Wirtschaftszweige sind mit wachsender Armut verbunden. Studien zeigen, daß gerade Gebiete, die nur von Minentätigkeit wirtschaftlich abhängig sind, einen höheren Grad an Armut aufweisen als andere ländliche Regionen und Gemeinden.

Minen im allgemeinen stellen keine stabile ökonomische Basis für Gemeinden dar.

Am Beispiel der White-Pine-Kupfer-Mine in Michigan ist gut ersichtlich welche Gefahren auf eine Gemeinde zukommen können, die nur von Minentätigkeit abhängig ist. Diese Mine wurde im September 1995 geschlossen und entließ somit 1100 Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit. Viele dieser gut ausgebildeten Arbeiter würden in der Crandon-Mine anstatt der weniger gut ausgebildeten ansässigen Arbeiter beschäftigt werden.

Der Fall der Ladysmith Mine der Flambeau Mining Company (FMC) zeigt, daß eine Mine noch vor dem prognostiziertem Ende der Abbauzeit geschlossen werden kann. Die Firmenleitung hat sogar vom DNR eine Erlaubnis erhalten die Abbautätigkeit zu beschleunigen, um die Mine aufgrund der schlechten Wirtschaftslage früher schließen zu können. NMC kündigt zwar an, daß die Mine 30 Jahre in Betrieb sein soll, doch gibt die Firma keinerlei Garantien diesbezüglich ab.

Nicht außer Acht gelassen werden darf die Finanzkrise in Asien und die billige Kupferproduktion in Südamerika und Indonesien. Der Kupferpreis befindet sich auf sehr tiefem Stand in diesem Jahrhundert. Im Mai 2000 betrug der Preis 79.5 cents pro U.S. pound (ca. 0,5kg) Kupfer und 52.2 cents pro U.S. pound für Zink. Durch den Preisverfall soll die Highland-Valley-Kupfer-Mine in British Columbia, Kanada, bis Ende 1999 geschlossen werden und damit 1046 Arbeiter in die Arbeitlosigkeit entlassen werden, obwohl die Abbautätigkeit bis 2008 prognostiziert war.

In der Zeitschrift �The Northern Miner" wurde vor kurzem auch über Zink berichtet. Durch den Preisverfall am Weltmarkt durch das Überangebot und durch den geringeren Einsatz von Zink in der Autoindustrie, sind in weiterer Sicht keine wachsenden Märkte für Zink absehbar. Während also andere Zink/Kupfer-Minen anderenorts schließen, stellt sich die Frage warum Nicolet Minerals Company ein derart großes Interesse an der Eröffnung dieser Mine hat. Der Gesetzgeber, der in dieses Projekt involviert ist, gibt an, daß der Erzkörper der Crandon-Mine auch einen hohen Gehalt an Gold und Silber aufweisen soll. Zink und Kupfer allein stellen also nicht die wertvollsten Mineralien in der Crandon-Mine dar, obwohl dies der Öffentlichkeit glaubhaft gemacht werden soll. Gegner der Mine meinen, daß die beiden Metalle offensichtlich interessanter als Zink und Kupfer sind. Von Seiten der Minenfirma wurden keinerlei Daten darüber veröffentlicht.

Die momentane wirtschaftliche Situation ist in den Gemeinden Forest und Langdale gesund, was sogar Studien der Firma Exxon bestätigen. Die Tourismusindustrie im Bereich des Ursprungsgebietes des Wolf River ist aufgrund der ursprünglichen Landschaft stark steigend und stellt eine zukunftssichere Einkommensquelle für viele Bewohner und indigene Nationen dieses Gebietes dar.

Es stellt sich somit die Frage, ob angesichts der möglichen Riesendeponie nach Beginn der Abbautätigkeit in der Mine, nach wie vor so viele Touristen in den Nordosten von Wisconsin kommen werden, um dort in Ruhe Urlaub machen zu können.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob das Projekt Crandon-Mine nicht verwirklicht werden kann. �Obwohl es so aussieht, als ob NMC die vom Mining Moratorium Gesetz verlangten Voraussetzungen nicht erfüllen kann, gehen die Probebohrungen im geplanten Areal der Mine weiter", meinen Fred Ackley und Bill Koenen von den Mole Lake Chippewa.

NMC kündigt eine neue Studie an, die beweisen soll, daß die Art des Abbaues, wie sie die Firma plant, die Umweltschäden verringern würde. Nach Angaben von Vertretern der Firma soll durch verbesserte Techniken weniger Wasser verbraucht werden und anschließend auf Trinkwasserqualität gereinigt werden. Das Einbringen einer speziellen Isolierung in die unterirdischen Minenschächte soll verhindern, daß Grundwasser in die Schächte eindringt und es dadurch zur Bildung von Schwefelsäure kommt. Durch die Entfernung von Pyrit (Schwefelkies) aus dem Abraum würde ein potentieller Verursacher von Schwefelsäure aus dem Erzabfall entfallen. Der Bergbauexperte der Great Lake Indian Fish and Wildlife Commission, John Coleman, setzt dem entgegen, daß diese Studie nicht wirklich brauchbare Daten über den prognostizierten Wasserverbrauch liefert. Obwohl Pyrit aus dem Abraum entfernt werden soll, würde das wieder in den unterirdischen Teil der Mine verfrachtete Material mehr Säure erzeugen, als ursprünglich angenommen. Um den Wolf River nicht zusätzlich durch die Einleitung der Minenabwässer zu belasten, soll eine Pipeline gebaut werden, die bei dem 64 km entfernt liegenden Ort Rhinelander in den Wisconsin River geleitet werden soll. Die Folge wären dann zwei gefährdete Flüsse. Keine dieser Ankündigungen von Nicolet Minerals Company zur Minderung der Umweltschäden waren Teil des von NMC erstellten Umweltgutachtens. Sollten diese Änderungen formell bei den Staats- und Bundesbehörden eingebracht werden, so müßten diese Behörden, die die Erlaubnis für diese Mine erteilen, überprüfen, ob diese Ankündigungen wirklich die erhoffte Verringerung der Umweltschäden erbringen können. Diese Evaluierung würde höchstwahrscheinlich die Veröffentlichung des Umweltgutachtens sowohl vom Staat Wisconsin als auch der Bundesregierung verzögern.

Umweltgruppen und Parlamentarier haben in einem Brief an das Wisconsin Department of Natural Resources (WDNR) gefordert, daß alle Verfahren, die im Zusammenhang mit der Erteilung der Erlaubnis für die Mine stehen, einzustellen sind, solange NMC nicht die im Mining Moratorium Gesetz gestellten Forderungen erfüllt. �Im Moment sieht es so aus, als ob das DNR das Bewilligungsverfahren fortsetzt, obwohl NMC die Forderungen nicht erfüllt", sagt Tom Soles, Vertreter eines Fischereivereines. David Newman von der Umweltschutzgruppe Wisconsin Citizens Action ergänzt, daß die Einwohner Wisconsins nun wüßten, daß das Mining Moratorium seit April 1998 ein Gesetz sei. Sie erwarteten daher vom DNR diesem Gesetz Geltung zu verschaffen und sind daher sehr überrascht, daß das DNR den Bewilligungsprozeß trotzdem nicht stoppt. Es sei reine Zeitverschwendung dieses Bewilligungsverfahren weiterhin zu betreiben, fügt Becky Katers, Mitglied einer weiteren Unterstützungsgruppe hinzu. Apesanahkwat, Vorsitzender der Menominee, bringt es unmißverständlich auf den Punkt: �Das Mining Moratorium ist ein Gesetz!"

Sogar die größte Tageszeitung von Wisconsin,der Milwaukee Journal Sentinel, berichtet in seiner Ausgabe vom 13.12.1998, daß Crandon kein guter Platz für eine Kupfer-Mine sei.

Die Minenbetreiber wollen die 3 Jahre dauernde Errichtung der Mine im Jahr 2001 beginnen und das erste Erz soll dann 2004 abgebaut werden, gibt Dale Alberts, Pressesprecher von Nicolet Minerals Company, bekannt.

Wann die letzte Entscheidung zur Bewilligung der Crandon-Mine erwartet werden kann, ist nicht klar, denn das Verwirrspiel um den Besitz der Crandon-Mine geht weiter. Billiton, ein südafrikanischer Minenbetreiber (London), ist seit Oktober 2000 der neue Besitzer.

Quellen:

  • Gambling with the Wolf: The Crandon Mine. The Green Bay Chronicle (2000).
    http://www.greenbaynewchron.com/news/crandon.html
  • Gedicks, Al (1998): What you should know about Exxon/Rio Algom�s proposed mine at Crandon/Mole Lake. La Crosse, Wisconsin.
  • Masinaigan � A chronicle of the Lake Superior Ojibwe. Great Lakes Indian Fish and Wildlife Commission, Odanah, Wisconsin.
  • Midwest Treaty Network : http://www.treatyland.com
  • Milwaukee Journal Sentinel � Milwaukee, Wisconsin
  • Mining Impact Coalition, Wisconsin : http://www.geocities.com/RainForest/8073/index.html
  • Sulfide Mining: The Process and the Pride � A tribal and ecological perspective. Great Lakes Indian Fish and Wildlife Commission, Odanah, Wisconsin (1995).
  • Wisconsin�s Decision for Eternity: A closer look at the proposed Crandon Mine and potential environmental impacts. Menominee Treaty Rigths and Mining Impact Office, Keshena, Wisconsin (1998).

 



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